Montag, 14. Oktober 2019

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Andrea Lotz- Weißhaupt beschreibt im folgenden Artikel  eine körperbezogene Lernmethode zur Einführung der Zahlen und Ziffern.

Das Muschelfußbad – eine vielseitige Sinneserfahrung

Das Muschelfußbad ist bei den Kindern sehr beliebt und dient gleichzeitig der Entspannung und der intensiven Konzentration .Diese Übung eignet sich auch besonders für unruhige, verträumte oder ängstliche Kinder. Das Fußbad darf nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfinden und nur mit freudigem Einverständnis des Kindes und der Eltern. Zur Einführung des Muschelbades lade ich meistens die Mutter ein, damit sie es zuhause auch  anwenden kann.

Vorbereitung:
Da ich in meiner Praxis Teppichboden habe, lege ich eine Wachstuchtischdecke auf den Boden. Nun bereite ich mit dem Kind das Wasser zu. Wir geben in eine große Schüssel einige Spritzer einer gut duftenden Duschlotion und vermischen diese dann mit gleichmäßigen Lemniskaten im Wasser. Nun tragen wir die Schüssel in den Raum. Das Kind zieht sich Schuhe und Strümpfe aus und krempelt die Hosenbeine bis zum Knie hoch. Nun setzt sich das Kind auf einen Stuhl vor die Schüssel. Die Füße müssen den Schüsselboden berühren und das Wasser sollte eine angenehme Temperatur haben. Die Kinder empfinden das Eintauchen in das Wasser als sehr wohltuend und genießen die Wärme und den Duft des Bades. Beides wirkt sich belebend auf die Sinne des Kindes aus. Neben dem Kind stelle ich einen Hocker, unsere „Wasser- oder Teebar“ und meistens einige Apfelschnitzel für das leibliche Wohl. Nun gebe ich viele verschiedene Muscheln ins Wasser( Achtung, sie dürfen keine scharfen Kanten haben) und das Kind bewegt seine Füße über die Muscheln und  Murmeln.


Durchführung: verschiedene Möglichkeiten

Mittellinienkreuzung
Ich stelle zwei kleinere Schüsseln vor die große Schüssel, dass sie mit beiden Füßen des Kindes erreicht werden können. Nun sortiert das Kind abwechselnd mit dem rechten Fuß eine bestimmte Anzahl Muscheln in die linke Schüssel und mit dem linken Fuß in rechte Schüssel.

phonologische Bewusstheit und Differenzierung
Nun stelle ich fünf kleinere Plastikschüsseln so um die große Schüssel herum, dass sie mit dem Fuß erreicht werden können. Vor jede Schüssel lege ich ein Blatt mit einem Vokal: A, E, I, O, U.

Nun sage ich am Anfang ein zweisilbiges Wort, wie z. Bspl. Nase. Das Kind klatscht zuerst Na- se und sagt dann:“Im ersten Klatscher heißt der Vokal (oder Klinger/Kapitän) A“. Nun gibt es mit dem Fuß eine Muschel ins A-Schüsselchen. Es wiederholt  die nächste Silbe und spricht:“ne“. Jetzt kommt eine Muschel in das E-Schüsselchen. Mit zunehmender Sicherheit in der Differenzierung der Vokale werden die Wörter länger, wie z. Bspl. Ro-si-nen-brot. Die Wörter müssen immer lautgetreu sein. Das Kind ist einmal ganz in seinen Füßen und versucht die Muschel mit dem Fuß zu ertasten, denn durch den Schaum des Duschbades sieht es die Muscheln nicht. Gleichzeitig muss es das gesamte Wort im Bewusstsein haben und wissen, an welcher Silbe es gerade arbeitet – also höchste Konzentration und Lautdifferenzierung  bei gleichzeitiger motorischer Herausforderung und Entspannung wie Freude durch das angenehme Wasser. Diese Übung ist im Winter bei kalten Füßen, im Sommer bei großer Hitze eine Wohltat für das Kind. Neben der Lautdifferenzierung kann man auch verschiedene andere Schwerpunkte üben, die Endungen, Groß- und Kleinschreibung und vieles mehr.

die Füße rechnen
Den jüngeren Kindern erkläre ich häufig, dass sie heute nicht rechnen müssten, sondern nur ihre Füße. Die Idee gefällt ihnen meistens gut.Zum Üben der 1x1 Reihen und erfassen der Mächtigkeit einiger Zahlen stelle ich 9 Schüsseln um die große Schüssel herum und nummeriere sie mit Zetteln von 2-9. Ich nenne dem Kind eine Zahl, z. Bspl. 12. Das Kind überlegt nun welche 1x1Reihe in die 12 passt und nennt die 2-er Reihe. Nun gibt es 6 Muscheln in das 2-er Schüsselchen, danach 4 Muscheln in das 3-er Schüsselchen und so weiter.
Auf einmal entdeckt das Kind wie viele Reihen in manche Zahlen passen. Auch hier wird wieder konzentriert und entspannt gearbeitet.
Diese Übung kann durch Mengenvorstellung, Plusaufgaben oder Divisionsaufgaben ergänzt werden.

Der Abschluss: Im Pferdestall
Nach Beendigung der Übphase setze ich mich dem Kind gegenüber und lege ein Handtuch auf meinen Schoß. Dem Kind erkläre ich, dass es ein Reitpferd ist und kurz vor einem Turnier in einen Wald gelaufen ist. Nun ist es mächtig dreckig und muss für die Veranstaltung tüchtig gebürstet werden bis sein Fell wieder glänzt. Nun legt das Kind seinen Fuß in das Handtuch und ich rubble den Fuß und das Bein bis zum Knie tüchtig ab. Jetzt „striegle“ ich  das Pferd mit verschiedenen Bürsten, angefangen mit harten Nagelbürsten über Zahnbürste bis zum Schminkpinsel. Mit der Zahnbürste reinige ich die „Hufen“ und hole das „Stroh“ zwischen den Zehen heraus. Die Kinder haben viel Spaß bei der „Bürstenmassage“, erleben die verschiedenen taktilen Reize und genießen zum Schluss den sanften Schminkpinsel. Damit das „Fell“ richtig glänzt reibe ich die Füße und die Beine mit einem wohlriechenden Körperöl ein. Das Kind zieht wieder erfrischt Strümpfe und Schuhe an und hilft aufräumen. Besonders Kinder die zu Verspannungen oder Kopfschmerzen neigen lieben dieses Fußbad sehr.  
Die Mütter reagieren auch meistens sehr begeistert und freuen sich, dass ihr Kind mit so viel Freude lernt und einen neuen Zugang zum Lernstoff bekommt.
Die Intensität dieser Übung setzt unbedingt ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kind, Eltern und Therapeut voraus. Sie darf nur mit absolutem Einverständnis des Kindes durchgeführt werden. Der Therapeut muss kommentarlos akzeptieren, wenn ein Kind diese Zuwendung nicht möchte.
Bei gegenseitiger Akzeptanz ist diese Übung für das Kind eine Wohltat.


Andrea Lotz- Weishaupt


 

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